22. Mai: Internationaler Tag der biologischen Vielfalt

Lokal handeln, global schützen: Artenschutz beginnt vor der Haustür

I

Lokal handeln, global schützen – DTG zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt

Internationaler Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai: DTG-Zoos stärken Artenschutz vor der Haustür und leisten globalen Beitrag

Kleve, 22. Mai 2026 – Der Internationale Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai erinnert an die Verabschiedung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) und macht weltweit auf den dramatischen Verlust an Arten und Lebensräumen aufmerksam. In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Acting locally for global impact – Lokal handeln für globale Wirkung“. Die Deutsche Tierparkgesellschaft (DTG) betont aus diesem Anlass die zentrale Rolle ihrer Mitgliedseinrichtungen im lokalen Artenschutz – und damit ihren Beitrag zur Umsetzung der globalen Biodiversitätsziele.

„Biologische Vielfalt wird vor Ort gewonnen oder verloren – auf Ackerflächen, in Wäldern, Feuchtgebieten und städtischen Strukturen“, sagt Marie‑Christine Kuypers, Geschäftsführerin der Deutschen Tierparkgesellschaft. „Unsere Mitgliedseinrichtungen setzen genau hier an: Sie schützen und züchten bedrohte Arten, beteiligen sich and er Renaturierung von Lebensräumen und zeigen Millionen Besucherinnen und Besuchern, wie eng ihr Alltag mit dem Zustand der Natur vor der Haustür verbunden ist.“

Artenschutz „vor der eigenen Haustür“ als Schlüssel

Wie wichtig lokales Handeln ist, zeigt ein Blick auf heimische Arten. In Deutschland gilt inzwischen mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten als gefährdet. Besonders drastisch ist der Rückgang typischer Feldarten wie dem Rebhuhn: Seit 1980 sind die Bestände dieser Vogelart europaweit um rund 93 Prozent eingebrochen – mit Folgen für die gesamte Artenvielfalt der Agrarlandschaft. Ursachen sind unter anderem der intensive Einsatz von Pestiziden sowie der Verlust von Brachen, Feldrainen und Heckenstrukturen. Von Schutzmaßnahmen zugunsten des Rebhuhns profitieren gleichzeitig Kiebitz, Feldhamster, Feldhase und zahlreiche Insektenarten.

Ein weiteres Beispiel ist der Rothirsch (Cervus elaphus), Deutschlands Tier des Jahres 2026. Obwohl er mit rund 220.000 Tieren noch vergleichsweise häufig vorkommt, leidet er zunehmend unter zerstückelten Lebensräumen: Straßen, Bahntrassen, Siedlungen und andere Infrastrukturen schneiden Wanderkorridore ab, trennen Populationen voneinander und führen zu genetischer Verarmung. Vor allem junge Hirsche, die eigentlich weite Wanderungen unternehmen, stoßen an Barrieren – mit der Folge, dass der genetische Austausch zwischen Beständen abnimmt und langfristig ein schleichender Aussterbeprozess droht. Maßnahmen zur Biotopvernetzung wie Grünbrücken, Wildtierkorridore und großräumige Verbundsysteme sind daher zentrale Bausteine des Rothirsch-Schutzes – und kommen zugleich vielen anderen Wald- und Großtierarten zugute. In vielen zoologischen Einrichtungen wird Rotwild gehalten, als genetische Reserve für Wildpopulationen und um die Besucher auf die Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, denen unser größtes heimischen Landsäugetier in seinem Lebensraum ausgesetzt ist.

Zoos und andere Naturschutzorganisationen haben die Aufgabe, diesem Verlust an biologischer Vielfalt etwas entgegenzusetzen – durch Haltung und Zucht bedrohter Arten, Wiederansiedlungsprojekte und die Unterstützung von Natur- und Artenschutzmaßnahmen in ihren Regionen. „Gerade im lokalen Artenschutz sind moderne Zoos unverzichtbare Partner, weil sie wissenschaftliche Expertise, Langzeiterfahrung mit Tierpopulationen und große Reichweiten in die Öffentlichkeit verbinden“, so Kuypers.

DTG-Mitglieder engagieren sich im lokalen Biodiversitätsschutz

Viele DTG-Einrichtungen betreiben bereits seit Jahren Artenschutz unmittelbar „vor der eigenen Haustür“. Dazu gehören Projekte zur Wiederherstellung strukturreicher Agrarlandschaften, Maßnahmen für Amphibien und Reptilien in Mittelgebirgsregionen, Beweidung von Heidelandschaften zur Erhaltung des Lebensraums der Offenlandschaft oder Initiativen für bedrohte Wald- und Feuchtgebietsarten.

Lokales Handeln für globale Ziele

Mit dem Motto „Acting locally for global impact“ macht die UN deutlich, dass die Ziele des Kunming‑Montreal Global Biodiversity Framework nur erreicht werden, wenn staatliche Maßnahmen von konsequentem Engagement auf kommunaler und regionaler Ebene ergänzt werden. Der Internationale Tag der biologischen Vielfalt 2026 ruft dazu auf, lokale Initiativen sichtbarer zu machen und sie gezielt mit den internationalen Biodiversitätszielen zu verknüpfen.

„Tierparks und Zoos allein können das Artensterben nicht aufhalten“, sagt Kuypers. „Aber sie sind starke Verbündete in einem ganzen Netzwerk von Behörden, Naturschutzverbänden, Landnutzerinnen und engagierten Bürgern. Wenn wir lokale Artenschutzprojekte ernst nehmen und miteinander verknüpfen, entsteht die globale Wirkung, die wir für das Überleben der Arten dringend brauchen.“

Für Rückfragen steht Ihnen die Geschäftsstelle der DTG gerne zur Verfügung.

 

Über die Deutsche Tierpark-Gesellschaft e.V.

Die Deutsche Tierpark-Gesellschaft e.V. (DTG) ist einer von drei Bundeszooverbänden und vereint derzeit über 125 Mitglieder, die sich auf tiergärtnerische Einrichtungen unterschiedlicher Rechtsformen und Trägerschaften sowie Förder-, Ehren- und assoziierte Mitglieder aus Deutschland sowie Luxemburg, Dänemark und der Schweiz verteilen.

Alle Mitglieder sind den vier Hauptaufgaben zoologischer Gärten (Arten- und Naturschutz, Bildung, Wissenschaft und Erholung) verpflichtet und setzen sich aktiv für den Artenschutz ein.

Die Zoos sind dabei nicht nur in der Erhaltungszucht und damit dem ex-Situ-Schutz verpflichtet, sie unterstützen auch verschiedene Schutzprojekte vor Ort. Über die DTG werden zudem verschiedene Schutz- und Wiederansiedlungsprojekte unterstützt.

Die DTG nimmt die Interessensvertretung gegenüber Politik, Behörden, Institutionen, Verbänden etc. im Sinne ihrer Mitglieder wahr. Des Weiteren unterstützt die DTG als Verband ihre Mitglieder im Bereich Bildung, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation sowie bei arten- und naturschutzrelevanten Themen.